Turniersysteme

Die Vor- und Nachteile von Turniersystemen – auf der Suche nach dem fairsten Spielsystem

Wir haben euch bei Facebook gefragt, welches Spielsystem aus eurer Sicht das Fairste ist:

Laut Wikipedia sind die Anforderungen an eine Turnierform folgende:

  • Der beste Spieler soll gewinnen; d. h. wenn in jeder einzelnen Begegnung der jeweilige Favorit gewinnt, dann soll der Top-Favorit den Turniersieg davontragen.
  • Der zweitbeste Spieler soll den zweiten Platz erreichen.
  • Der drittbeste Spieler soll den dritten Platz erreichen und entsprechendes gilt für die weiteren Plätze.
  • Die Anzahl der Spiele oder Spielrunden soll – aus organisatorischen Gründen – möglichst klein sein.
  • Die Entscheidung über den Turniersieg soll – zur Erhöhung der Spannung – erst am Ende des Turniers in einem Finale der beiden besten Spieler fallen.
  • Es sollen keine Möglichkeiten zur Kollusion existieren. Kein Spieler soll aus dem Verlust einer Partie für sich einen Vorteil ziehen können.

Wenn wir das auf die üblichen Turnierformen herunterbrechen, dann sehen wir folgenden Vor- und Nachteile des jeweiligen Spielsystems:

Double-Out/Double-Elimination/Doppel-K.O.

Im Doppel-KO-System werden die Teams anhand einer Setzliste den jeweiligen Platzziffern zugeordnet. Dabei spielt der Setzlistenerste (üblicherweise das stärkste Team) zunächst gegen das schwächste Team (z.B. 1. gegen 16.), das (laut Setzliste) zweitstärkste Team gegen das zweitschwächste Team (z.B. 2. gegen 15.) usw. Der Sieger rutscht dabei wie im üblichen K.O.-System im Baum pro Sieg immer eine Stufe weiter (Winner Bracket) – bis zum Halbfinale. Der Verlierer rutscht bei seiner ersten Niederlage auf die Verliererseite (Loser Bracket) des Baumes. Dort wird ein weiterer KO-Baum ausgespielt, der den beiden besten Verlierern ebenfalls den Einzug ins Halbfinale ermöglicht. Bei einer zweiten Niederlage im Turnier scheidet das Team aus (Ausnahme: nach Einzug ins Halbfinale wird das Spiel um Platz 3 meist ausgespielt) – je nachdem, an welcher Stelle im Baum die zweite Niederlage geschieht, bestimmt sich die Platzierung im Turnier.

Vorteile:

  • es spielt (bei korrekter Setzliste) immer ein besseres gegen ein schlechteres Team
  • nach einer Niederlage besteht weiterhin die Möglichkeit auf den Turniersieg
  • Teams, die über das Loser Bracket ins Halbfinale einziehen, haben ein Spiel mehr zu absolvieren, als die Teams des Winner Brackets
  • man spielt relativ selten mehrfach gegen das gleiche Team

Nachteile:

  • große Abhängigkeit von einer guten Setzliste (ungesetzte Favoriten-Teams spielen ggf. gegen den Setzlistenersten und verzerren damit die ersten Runden)
  • großer Zeitabstand zwischen Erstrundenspielen und den Spielen der ersten Verliererrunde
  • nach 2 Spielen ist das Turnier bereits für ein Viertel der Teams beendet (man spricht von 1-2-Barbeque)
  • zum Finale sind meist kaum noch Teams anwesend

Pool-Play plus Single-Out

Zunächst werden innerhalb von meist 4 Gruppen (Pools) im Modus Jeder-gegen-Jeden (Round Robin) die Vorrundenplatzierungen ausgespielt. Entsprechend der Setzliste werden die besten Teams jeweils als Gruppenkopf  (A1, B1, C1, D1) und ggf. die nächstbesten Teams als Gruppenzweite (D2, C2, B2, A2) gesetzt.

In einer Zwischenrunde spielen dann die Gruppenzweiten gegen die Gruppendritten, wenn vorhanden spielen die Gruppenvierten gegen den Gruppenersten um den Einzug in die KO-Runde (Achtelfinale, Viertelfinale, Halbfinale, Finale)

Vorteil:

  • Unstimmigkeiten in der Setzliste können besser ausgeglichen werden
  • mindestens 3 Spiele pro Team (bei 3er Vorrundengruppen)

Nachteil:

  • das Aufeinandertreffen zweier favorisierter Teams in der frühen KO-Runde kann nicht verhindert werden
  • ab der Zwischenrunde ist eine Niederlage gleichbedeutend mit dem Turnier-Aus

Freies Spielsystem

Dieses System ist meist gleichbedeutend mit einer beliebigen Vorrundenkonstellation, einem anschließenden Über-Kreuz-Vergleich und einer Finalrunde. Meist werden alle Plätze ausgespielt.

Vorteil:

  • meist hat jedes Team eine gleich hohe Anzahl an Spielen

Nachteil:

  • hohe Spielanzahl und/oder hoher Bedarf an Spielfeldern
  • bei einer starken Vorrundengruppe kann der Vorrundendritte nicht mehr das Finale erreichen

Schweizer System

Beim Schweizer System spielen immer die Teams gegeneinander, die im bisherigen Turnierverlauf ein gleiches/ähnliches Verhältnis an gewonnenen/verlorenen Spielen haben – in dem Sinne also Tabellennachbarn sind. Dabei kann die erste Runde anhand einer Setzliste ausgelost werden. Die letzte Turnierrunde umfasst dabei meist die Finalspiele zwischen Tabellenersten und -zweiten, Tabellendritten und -vierten usw.

Vorteil:

  • die Anzahl der Spielrunden kann während des Turnierverlaufs angepasst werden
  • Turniersieger ist das Team mit den meisten Siegen
  • Letzter ist das Team mit den meisten Niederlagen

Nachteil:

  • es besteht die Gefahr mehrfach gegen das gleiche Team zu spielen
  • wird bisher sehr selten angewendet
  • erfordert eine hohe Anzahl an teilnehmenden Teams